1 Einleitung
1.1 Einführung
Im Frühjahr 1997 wurde am Geographischen Institut der Universität
Bern im Auftrag der Einwohnergemeinde Messen (Kanton Solothurn) mit der Arbeit am Projekt Informationssystem Messen/Limpachtal
begonnen. Dies geschah in der Absicht, eine umfassende, digitale Planungsgrundlage für die Gemeinde Messen aufzubauen.
Mit einer Sammlung von digitalen, raumbezogenen Grundlagen sollte der Gemeinde für die Ortsplanung ein modernes,
einfach zu bedienendes Hilfsmittel in Form eines Geografischen Informationssystems (GIS) zur Verfügung
gestellt werden. Als wesentliche Neuerung wurden dabei digitale Luftbilder und Satellitendaten verwendet (siehe Abbildung
1).

Abbildung 1: Der Ausschnitt aus der Landsat-TM-Szene
vom 7. Juli 1984 zeigt das Untersuchungsgebiet Limpachtal mit der Gemeinde Messen in der Mitte (Massstab rund 1:86000).
Quelle: NPOC, © Eurimage, GIUB (1984).
Diese Aufnahmen enthalten eine Fülle von verwertbaren Informationen,
die in der Orts- und Regionalplanung eingesetzt werden können. Durch den Einbezug dieser Bilddaten wird ein für
Geografische Informationssysteme neuer Ansatz verfolgt. An Stelle der Repräsentation von Daten mittels linearer Vektorelemente
werden durch Bilddaten Informationen flächenhaft dargestellt. Ein weiterer Vorteil der Bilddaten liegt darin, dass
es jederzeit möglich ist, neue Luftbilder und Satellitendaten in das Informationssystem zu integrieren und somit
die Inhalte zu aktualisieren. Eine Serie von Aufnahmen ermöglicht zudem die Darstellung und Analyse von Veränderungen
über die Zeit, sei es über eine Vegetationsperiode oder über Jahre bis Jahrzehnte. Durch die fortlaufende
Verbesserung der räumlichen Auflösung von Satellitendaten werden die Möglichkeiten immer vielfältiger.
Satellitendaten können bereits heute für Planungen und Kartennachführungen eingesetzt werden.
Mit einem GIS können räumliche Informationen auf einem EDV-System
verwaltet, verarbeitet und auf digitalen Karten dargestellt werden. Den Benutzerinnen und Benutzern steht dabei eine Vielfalt
von Möglichkeiten offen, diese Daten in thematischen Anwendungen zu kombinieren. Solche Systeme wurden in den vergangenen
Jahren vermehrt auch auf Gemeindeebene eingesetzt. Im vorliegenden Projekt sollten die Möglichkeiten Geografischer
Informationssysteme exemplarisch an der Gemeinde Messen und der Region Limpachtal aufgezeigt werden. Die dabei angewandten
Methoden und die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auch auf andere Gemeinden und Regionen unterschiedlicher Grösse
übertragen.
Mit der Einberufung einer kommunalen Ortsplanungskommission (siehe
dazu auch Marti 1999, Kapitel 3.6) begann Ende 1995 die Revision der Ortsplanung der Gemeinde Messen, die zum Entschluss
führte, ein GIS als Hilfsmittel für die Raumplanung aufzubauen. Die revidierten Planungsgrundlagen zur Raumordnung
der Gemeinde Messen sollten in digitaler Form verfügbar sein. Der von der Ortsplanungskommission in Zusammenarbeit
mit dem Vermessungsbüro Widmer + Hellemann überarbeitete Bauzonenplan sollte deshalb in einem digitalen
Informationssystem zur Verfügung stehen. Da die Raumplanung ein breiteres Feld abdeckt als nur die Ordnung der zulässigen
Nutzung des Bodens innerhalb des Siedlungsgebietes, sollte sich das Informationssystem nicht ausschliesslich auf den Bauzonenplan
konzentrieren. Auch andere Bereiche wie Natur und Landschaft oder Aspekte des Ortsbildschutzes wurden berücksichtigt
und die entsprechenden räumlichen Grundlagen in das Informationssystem integriert.
Bereits im Wintersemester 1994/95 wurde im Rahmen der Vorlesung Fernerkundung I
am Geographischen Institut unter der Leitung von PD Dr. Michael F. Baumgartner eine Übung durchgeführt, die
sich mit dem Wandel der Kulturlandschaft im Limpachtal auseinander setzte. Anhand von Luftbildern aus verschiedenen Jahren
wurden Überlegungen zur Dynamik der Landschaft und der Siedlungen im Limpachtal angestellt. Die Veränderung
der Kulturlandschaft im Rahmen der grossflächigen Entwässerung und Güterzusammenlegung sowie die Korrektur
des Limpachs während des Zweiten Weltkriegs bildeten die Schwerpunkte dieser Übung. Somit wurden Informationen
über die nähere Vergangenheit des Untersuchungsgebietes Limpachtal erarbeitet, die zusammen mit geeigneten Kartengrundlagen
in ein GIS aufgenommen werden konnten.
Das Informationssystem Messen/Limpachtal beschränkt sich also
nicht nur auf den heutigen Zustand der Siedlung Messen und der Kulturlandschaft im Limpachtal, sondern berücksichtigt
auch den historischen Aspekt. Dieser konnte anhand räumlicher Grundlagen über die vergangenen sechzig Jahre
hinweg dokumentiert werden. Zur operativen Umsetzung und Lösung der Aufgabenstellung wurden flächendeckend historische
und aktuelle Luftaufnahmen sowie Satellitenbilder herangezogen. Diese Bilddaten bilden einen zentralen Bestandteil des
Projektes und illustrieren auch die zeitlichen Veränderungen.
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